PR FÜR SOLOPRENEURE UND STARTUPS: 6 TÄGLICHE STEPS IN 60 MINUTEN

von PR-Beraterin Andrea Alton

 

 

Hast Du schon einmal an PR gedacht was Dein Businessbaby angeht? Meiner Erfahrung nach schieben die meisten Durchstarter, Solopreneure und Neuankömmlinge in der Gründungswelt das Thema erst einmal auf die lange Bank.

Es klingt zunächst einfach so unrealistisch, dass die Medien und die Presse gerade an ihnen interessiert sein sollten. Aber in der Hinsicht habe ich gute Neuigkeiten: nichts ist spannender als frischer Wind auf dem Markt, nichts ist fesselnder, als persönliche, emotionale Geschichten. Na neugierig?

Oder quält Dich vielleicht der zweite typische Zweifel, den viele Gründer im Zusammenhang mit PR haben? Nämlich der Zeitmangel bzw. es scheint die Zeit zu fehlen, sich ins Thema einzuarbeiten, da diese Kommunikationsdisziplin komplett neu für Dich ist? Sprich Du weißt gar nicht, wo Du anfangen sollst?

Dann bist Du hier richtig. Ich habe 6 Tipps für Dich in petto, die Du täglich anwenden kannst. Ein Fahrplan durch den PR-Dschungel sozusagen, der Dich bei kontinuierlicher Anwendung, regelmäßigen Veröffentlichungen immer näher bringt. Du kannst also gleich jetzt loslegen. Gibst Du mir täglich 60 Minuten? Ja? Dann zücke den Stift (oder wahlweise das Tablet) und lass uns anfangen.

 

STEP 1: Medien aussuchen – Wo soll ein Bericht über meine Produkte oder mich als Person erscheinen?

Zuallererst einmal heißt es in jedem PR-Plan: Ziele setzen. Wo möchtest Du überall präsent sein bzw. wo würde ein Bericht über Dein Business zur Leserschaft passen? Deine erste Aufgabe ist es, täglich 5 Medien zu recherchieren, die Du in Deinen PR-Fokus nehmen möchtest. Bevor Du dich nun nur auf die guten alten Printmagazine und Tageszeitungen versteifst: die sind, was die Auflagen betrifft, eher auf dem absteigenden Ast. Klar, sie haben immer noch eine tolle Reichweite und kreieren hochwertige Inhalte, aber die sinkenden Zahlen geben genug Anlass dazu, sich auch anderweitig umzusehen. Ziehe auch unbedingt die folgenden Möglichkeiten in Betracht:

  • Online-Versionen der Printmagazine (die haben nicht immer die gleiche Zielgruppe wie die dazugehörige Printausgabe. Das Online-Publikum ist oft jünger und dementsprechend sind es auch die Inhalte. Ein Beispiel: die Madame Print und die Madame Online (http://www.madame.de/).
  • Supplements. Supplements heißen die Magazinbeilagen, die großen Titeln regelmäßig beigelegt werden. Die Bekanntesten sind wohl das FAZ-Magazin der Frankfurter Allgemeine Zeitung und das SZ-Magazin der Süddeutschen. Aber stöbere mal in der Sparte, da gibt es echt viel.
  • Webazines, die nur die Online-Version pflegen. Ich persönlich bin ja ein Riesenfan von Edition F, Femtastics, Hashmag und Carmitive.
  • Blogs. Die brauchen auch immer Themen. Vor allem sind sie auf der Suche nach Produkten zum Testen oder sehr persönlichen Stories.
  • Social Media Kanäle. Auch ein Sharing in einem fremden Social Media Kanal kann sehr viel Reichweite verschaffen ► da wären wir ja fast schon beim…
  • Influencer Marketing. Da könnte ich Dir so viel dazu erzählen. Vielleicht ist mein Artikel „Die 40 hilfreichsten Links für erfolgreiches Influencer Marketing“ zum Start eine gut verdauliche Kost.
  • TV-Shows. Ja auch Taff und das Explosiv-Magazin brauchen Input. Wie gesagt, ruhig ein wenig großkotzig beim Füllen der Liste vorgehen.
  • Podcasts. Die suchen oft Interviewpartner zu spannenden Themen.
  • Fachpresse-Medien. Die Fachpresse setzt zwar auf trockene Theorie, also lässt den emotional-ästhetischen Teil Deines Business‘ außen vor, aber sie wird dafür auch von Top-Managern, Einkäufern und Experten des Sektors gelesen. Wenn das kein Grund ist, sie anzugehen! Falls Du mehr über Fachpresse-PR erfahren willst und warum Du darüber Deinen Umsatz steigerst, dann bist Du hier richtig.
  • Free-Press. In jeder Stadt, eigentlich jeder Gemeinde gibt es Heftchen, die gratis ins Postfach der Bewohner segeln. Der Vorteil dieser kleinen Begleiter im Alltag: die flattern in endlos vielen Haushalten rum. Und werden gerne nebenbei gelesen. Auch interessant in der Hinsicht: Hotel-, Flugzeug- und Bahnmagazine.

 

STEP 2: Kontakte besorgen – wie erreiche ich die Menschen, die ich mit meiner Geschichte versorgen möchte?

Puh, die Liste ist vorerst noch kurz. Aber wenn Du ab jetzt täglich auf der PR-Schiene anzutreffen bist, wird sie in den nächsten Wochen immer länger. Und das ist sehr gut, denn die PR ist modernes Klinkenputzen. Oft sind viele Kontakte nötig, um einen Treffer zu landen. Lass Dich davon bloß nicht beeindrucken, aber dazu später mehr.

Nun machen wir uns erst einmal daran, die richtigen Ansprechpartner zu finden. Da gibt es zwei Methoden: entweder Du konsultierst online das Impressum und hoffst, dass da alle Mailadressen vermerkt sind – bei Online-Medien ist das praktisch immer so, im Print-Bereich wird’s schwieriger – oder Du musst zum Hörer greifen und in der Redaktion anrufen. Jetzt bloß nicht Schweißhände beim reinen Gedanken daran bekommen – Redaktionen sind derartige Anrufe echt gewöhnt. Für die ist das Alltag. Und je öfter Du das machst, desto mehr geht es Dir in Fleisch und Blut über. PS: arbeite bei der Verteilererstellung unbedingt nach DSGVO-Richtlinien!

 

STEP 3: Finde Die passende Story

Jedes der Medien auf Deiner Liste ist einzigartig: seine Sprache, Geschichten, seine Rubriken. Und desto passender Deine Pressemitteilung ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du „genommen“ wirst. Analysiere Deine gesammelten Medien und achte eben auf Sprache, Inhalte, und wiederkehrende Rubriken. Na, findest Du Gemeinsamkeiten? Also fallen Dir Geschichten ein, die wie die Faust auf's Auge passen könnten? Dann nichts wie ran an’s Festhalten der ersten Stichpunkte. Du wirst bald merken: für jedes Medium sind die Stichpunkte einzigartig. Ähnlich sind sie zwar schon, aber nur ganz selten gleicht da ein Ei komplett dem anderen.

Kurzes Eingreifen meinerseits: Die Ausnahme sind Fachpresse und Daily News: Emotionslose Texte – also BtoB-Texte, Berichterstattungen und Facts + Figures – sind Notizen, die größtenteils einfach übernommen werden, da sie schnell kommuniziert werden müssen. Sie dienen als reine Informationsübermittlung. Deshalb darfst Du in dem Fall auch eine „Massenmail“ verschicken und allen Journalisten den gleichen Text unter die Nase halten. Das geht für die vollkommen in Ordnung, falls die Notiz spannend genug zum Veröffentlichen ist. Kommen wir aber zurück zu den emotionalen Presseveröffentlichungen, die nichts mit Daily News zu tun haben…

NOT TO DO: Verfasse jetzt bloß keinen Roman!

Das Wort „Stichpunkte“ wurde oben gezielt gewählt. Sag bloß, Du hast jetzt schon einen ellenlangen Roman verfasst! Dann wirst Du leider über meine nächsten Worte not very amused sein, denn Du hast vielleicht unnötig Arbeit in etwas gesteckt, was gar nicht gebraucht wird. Stattdessen halte Dich an die Stichpunkte und…

 

STEP 4: Verfasse lieber einen Teaser – also einen Appetithappen…

Du besitzt ja keine Glaskugel, die Dir die Zukunft voraussagt. Manchmal recherchierst Du eine Thematik noch so gut und laut Dir würde sie ausgezeichnet zum Magazin passen, aber der Journalist beißt einfach nicht an. Oder ihm gefällt die Thematik grundlegend schon, er möchte sie aber aus einer anderen Perspektive erzählen. Dann musst Du Deine vielleicht schon sehr gut erzählte Story in den virtuellen Mülleimer kicken.

Das ist erstens frustrierend und zweitens Zeitverschwendung – Du hast ja nur eine Stunde pro Tag. Worauf ich hinauswill: suche Dir ein Magazin aus Deiner Liste aus und kreiere dafür 2-3 Themenvorschläge, die als Appetithappen verpackt werden. Das heißt, Du reißt jedes Thema kurz an, gehst aber nicht ins Detail. Aber Du machst Dein Gegenüber neugierig. Diese Ideen verpackst Du schön in einer Mail und schickst sie an den Journalisten Deines Herzens.

 

STEP 5: Was dann passiert – Follow-Up betreiben

Meist passiert daraufhin erst einmal nichts. Nichts Ungewöhnliches. Nach 4-5 Werktagen darfst Du – im Zuge Deines täglichen PR-Streifzuges – aber ruhig einmal eine Follow-Up-Mail versenden. Was das ist? Das ist eine einfache Nachricht an den Angeschriebenen, in welcher Du ihn fragst, ob er denn Deine Mail erhalten hat und ob Interesse besteht.

Journalisten bekommen jeden Tag unzählige Mails, da kann es gut sein, dass eine einmal durchrutscht. Kommt nach weiteren 4-5 Tagen immer noch nichts, dann sei es Dir genehmigt, anzurufen und nachzufragen. Falls Du die Nummer des Journalisten über die Website nicht finden kannst, dann klingle erst einmal beim Empfang des Mediums durch, die leiten Dich eigentlich immer gerne weiter. Und schon hast Du ihn in der Leitung und kannst das Thema direkt besprechen. Nach den ersten 2-3 Telefonaten bleiben auch die Schweißhände beim Anruf trocken, keine Sorge 😉 (ich kann mich noch genau daran erinnern, als ich das erste Mal mit der InStyle telefoniert habe. Mannoman :))

 

Warum Du dich von einer Absage nicht demotivieren lassen solltest

Es kommt natürlich in den besten Häusern vor, dass Absagen eintrudeln. Auch so einige hintereinander. Das ist völlig normal und kein Grund zur Beunruhigung. Die Gründe können vielschichtig sein: vielleicht passt Deine Geschichte gerade nicht zum Themenplan des Mediums – aber zu einem späteren Zeitpunkt schon und der Journalist/Blogger/Podcast-Ersteller kommt nochmal von sich aus auf Dich zu? Oder vielleicht musst Du die Story noch ein wenig umformulieren, damit sie zu 100% zu den Lesern und dem Geschmack Deines Gegenübers passt? Ganz egal welche Motive Deine Absage auch immer haben mögen und wie lang es auch dauern mag, bis die erste Veröffentlichung eintrudelt: diese tägliche PR-Übung bringt Dir selbst und Deiner Marke viele Vorteile:

 

STEP 6: Sich über Resultate freuen, die IMMER eintrudeln

  • die Vorteile dieser täglichen PR-Übung
  • Du betreibst ständig Storytelling über Dein Business: beim Verfassen der Themenvorschläge lernst Du, Deine Marke immer wieder emotional aufzuladen. Gute Geschichten rund um Dein Business sind grundlegend wichtig. Wie sollst Du dich sonst in einem total übersättigten Markt von Deiner Konkurrenz abheben?
  • Du machst Dir einen Namen bei verschiedenen Medien: auch wenn sie aktuell nicht nach Deiner Geschichte gesucht haben, so haben sie schon einmal von Dir gehört. Du streust schon einmal Samen, die eventuell später Früchte tragen werden, wenn Recherchen zu einem Thema in Deinem Sektor anstehen.
  • Du baust Deinen Verteiler aus und kannst – wenn Du DSGVO-konform vorgehst, jede Menge Mailadresse sammeln. Und lass Dich auch ruhig in den Verteiler der jeweiligen Medien eintragen. Vielleicht wirst Du auch einmal zu Veranstaltungen oder Events eingeladen?
  • Du lernst die Medienwelt Deines Sektors kennen und einschätzen. Was anfangs immer eine Überwindung ist, wird bei jeder weiteren PR-Runde einfacher. Und diese Überwindung von Ängsten überträgt sich auch auf andere Bereiche Deines Business‘: auf Kontaktaufnahme bei Vertriebskontakten, auf Gespräche mit Investoren usw. Selbstsicherheit ist das schöne Resultat.
  • Und nicht zuletzt: Du übst Dich im Schreiben und Sprechen. Du lernst, selbstbewusst über Dein Business zu berichten. Merkst, welche Sätze gut ankommen und Menschen fesseln. Das ist eine Marktrecherche, die Dich unglaublich weiterbringt.

 

Die Moral von der Geschichte:

Widme eine Stunde Deiner täglichen Zeit Deinem PR-Plan. 60 Minuten, die Dich in vielen Disziplinen schulen, Dir Sichtbarkeit verleihen und Dein Business bekannter machen. Diese kurze Zeit reicht, um eine Basis zu schaffen, die jederzeit ausgebaut und weiter verfolgt werden kann. Die Dich und Dein Business im Gespräch hält. Na, was meinst Du? Machbar? Ich denke schon. Oder besser gesagt ich weiß es! Falls Du gerne noch mehr PR-Tipps hättest oder eine Frage auftaucht, die Du gerne beantwortet hättest, dann melde Dich bei mir. Hier findest Du meine Website und hier meine Mail.
Ich freue mich auf Deine persönliche Erfolgsgeschichte!

 

ÜBER ANDREA ALTON

 

Als PR-Beraterin und Kommunikationscoach unterstützt sie neben gestandenen Marken auch Selbstständige, Gründer*Innen und Startups bei ihren PR- und Kommunikationsstrategien. Ihr Credo: Die Verbreitung Deines Business‘ über die Medien ist das A und O, wenn es darum geht, erfolgreich zukünftige Kunden und Fans zu erreichen und Deine Marke bekannt zu machen. Wer Mut, Wille und einen Funken Kreativität mit in die Runde bringt, der kann effektive PR-Arbeit mithilfe ihrer Tipps und Ratschläge ganz einfach selbst erledigen, ohne dafür die Brieftasche zu strapazieren.

Ein Gedanke zu „PR FÜR SOLOPRENEURE UND STARTUPS: 6 TÄGLICHE STEPS IN 60 MINUTEN

  1. Nadine Staps Antworten

    Danke Andrea, für diesen coolen Abstecher in die PR-Welt. Tatsächlich erarbeite ich mir gerade selbst eine PR-Strategie bzw. habe ich das als Meilenstein in meiner zweiten Jahreshälfte vermerkt 🙂
    So richtig weit entfernt von klassischem Link-Building ist diese Strategie nicht, wie ich festgestellt habe. Hochwertige und relevante Links braucht man ja, um mit der eigenen Website auffindbar zu sein. Auch hierfür geht man die obigen Steps nacheinander durch und der wichtigste Punkt ist das Dranbleiben. Von daher schlägt man mit PR-Arbeit direkt mehrere Fliegen mit einer Klappe 🙂
    Sehr gelungen, dankeschön!

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